SCHWARZE ZWIEBELN, ROMESCO

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prolog

Okay ich gebe es zu. Es war nicht der Plan. Ich habe sie einfach im Ofen vergessen. Aber meine Gäste werden es mir abnehmen, ich weiß es. Sonst wären sie auch nicht meine Freunde. Zumindest bis sie das hier lesen. „Schwarze Zwiebeln, wow! Wie bist du denn auf die Idee gekommen?“ In dem ich nicht auf die Idee gekommen bin sie aus dem Ofen rauszunehmen. Einfach vergeigt.
Manchmal entstehen auch Sachen aus Vergesslichkeit. Ich hatte, wie gesagt, einen anderen Plan... Jetzt muss schnell zu den im Ofen verendeten Zwiebeln eine Alternative her. Die sind doch verbrannt! Und dann fiel mir ein: es gibt doch in Tarragona – an der Ostküste Spaniens – ein kleines Städtchen, wo sie ihre monströsen Frühlingszwiebeln auf offenem Feuer schwarz anbrennen lassen und sie dann in eine Sauce aus gerösteten Tomaten und Nüssen tunken, um sie direkt aus der Hand zu essen. Ich fand das immer so faszinierend, das Essen absichtlich anbrennen zu lassen. Das ist mein neuer Plan! Ich muss nur eine Romescosauce dazu servieren. Zwar werden in Tarragona auch die verbrannten Stellen verspeist, aber meine Zwiebeln sind nur von außen schwarz und der Inhalt kann noch in Ruhe genossen werden. Es ist also nur ein kosmetisches Problem, das jetzt gezielt in den Vordergrund gerückt wird.

Für ein Rezept das nachgekocht werden soll, ist es schwierig zu verlangen, die Zwiebeln absichtlich im Ofen zu vergessen. Deswegen musste ich, der Vervielfältigung wegen, alles noch einmal mit voller Absicht nachmachen. Bewusst habe ich den Ofen auf die gewünschte Zeit vorprogrammiert, die Zwiebeln danach gewollt rausgenommen und sie dann – mit Hilfe einer Grillzange – geplant und geistig hell, auf dem Gasherd, auf offener Flamme von außen schön schwarz gebräunt. Das ging ganz gut und man verschwendet vor allem nicht so viel Energie, wie wenn man die Zwiebeln im Ofen versäumt. Ich kann mir vorstellen, dass es auf einem Grill, draußen im Garten auch gut funktioniert. Ich habe leider keinen um das auszuprobieren. 

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* Die Ñora (siehe Bild ganz oben) ist eine Paprikasorte, mit einer kleinen runden Form und einem sehr charakteristischem süßlichem Aroma. Diese wird in der Sonne getrocknet und ist an der Ostküste Spaniens eine sehr beliebte Zutat für viele Gerichte. Man muss sie zuerst in Wasser einweichen, um an ihr Fruchtfleisch zu gelangen. Man findet sie online oder in spezialisierten Läden mit mediterranen Produkten.

zubereitung

für die RomescoSauce

Die Ñora-Schoten mit einem Messer mehrmals aufschlitzen und über Nacht in Wasser einweichen lassen. Wenn diese durchgeweicht sind, von Kernen und Stielen befreien und mithilfe einer Messerspitze das dünne Fruchtfleisch von der Innenseite der Haut schaben und es beiseite stellen. Den Ofen auf 200 °C vorheizen und die geschälten Nüsse auf einem Blech goldbraun rösten – ca. 10 Minuten. Anschließend Tomaten und Knoblauch auch auf einem Blech im Ofen für mindestens 30 Minuten rösten. Die Knoblauchzehen nach dem Abkühlen von der Haut befreien, in dem man sie einfach ausdrückt. Alle Zutaten für die Sauce zusammen im Mixer durchmengen, nicht allzu lang, für eine grobe Konsistenz. Beiseite stellen.

für die schwarzen zwiebeln

Die Zwiebeln auf einem Blech im Ofen bei 180 °C ca. 30 Minuten rösten. Danach diese von den losen Außenschichten befreien und mit Hilfe der Grillzange über der offenen Flamme am Gasherd kurz von allen Seiten schwarz rösten. 

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zutaten (4 personen)

4 rote Zwiebeln (von den größeren)
1 Friséesalat oder Salatblätter
4 EL Röstzwiebeln (fertige)
4 EL Chiliöl

für die romescosauce

2 Ñoras* (ersatzweise 1 gestrichener TL geräuchertes süßes Paprikapulver: pimentón de la vera)
15 Mandeln (geschält)
15 Haselnüsse (geschält)
2 große reife Fleischtomaten
4 Knoblauchzehen
8 EL natives Olivenöl
2 EL Weißweinessig
2 Messerspitzen scharfes geräuchertes Paprikapulver: pimentón de la vera
Salz

ausserdem

1 Grillzange
1 Gasherd oder Grill mit offener Flamme

 

 

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Nun zum anrichten: auf jedem der vier Teller Salatblätter zusammen mit jeweils 1 EL Röstzwiebeln und 1 EL Chiliöl verteilen. Die schwarzen Zwiebeln in der Mitte platzieren, mit einem Messer oben durchschneiden und die Romescosauce draufgeben.

Die äußere Schale der Zwiebel wird natürlich nicht verputzt.

 
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Nun ist der Tisch gedeckt und das Essen wartet. Die Gäste werden wieder einmal in Unwissenheit mein kreatives Versagen verspeisen (die verbrannten Zwiebeln) und ich werde ihnen die Teller stolz servieren und mich weiterhin bemühen sie zu bespaßen und sie schuldlos und engelsgleich zu belügen. Ich bin ja immerhin derjenige, der alles aufräumen muss.

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